Doktorandenseminar vom 29.-31.10.2025 in Mainz

Es wird wohl kaum möglich sein, sich einen sinnigeren Ort für die Zusammenkunft junger Historiker und Historikerinnen beiderseits des Rheins vorzustellen als den Stresemann-Saal der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. Dieser altehrwürdige Saal, dessen einnehmendes Gedenkrelief nicht nur den Geist der deutsch-französischen Versöhnung, sondern auch des europäischen Austausches beschwört, bot den idealen Rahmen für die Präsentation und Diskussion jüngster Dissertationsprojekte von deutschen wie französischen Promovenden. Nachdem in den vergangen Jahren der Lehrstuhl von Professor Joachim Scholtyseck an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2022), der Lehrstuhl von Professorin Hélène Miard-Delacroix an der Sorbonne Université (2023) sowie das Institut für Zeitgeschichte in München unter Leitung von Professor Andreas Wirsching (2024) die Partner begrüßen durften, war es nun turnusgemäß der Arbeitsbereich für Neueste Geschichte des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter Leitung von Professor Andreas Rödder, in Zusammenarbeit mit der Stresemann-Gesellschaft, der von 29.-31. Oktober 2025 zum liebgewonnen deutsch-französischen Doktorandenseminar eingeladen hatte.  

Von Black Metal zu nuklearen Altlasten: Die Vielfalt der Zeitgeschichte 

Die das Format auszeichnende Mischung aus bereichernden Vorträgen, anregenden Diskussionen und der Möglichkeit zum persönlichen, über das eigene Forschungsthema hinausgehenden Austausch mit den anderen Promovenden durchzog auch die, von Yellah Niehaves und David Lang organisierte, Mainzer Tagung. In fünf Sektionen wurden zehn aktuelle Dissertationsprojekte aus dem Bereich Zeitgeschichte präsentiert und diskutiert. Das Tagungsprogramm spiegelte dabei deutlich die thematische Varianz und Breite des Faches: Bundesdeutsche Menschenrechtspolitik in der Ära Kohl wurde ebenso diskutiert wie die Repräsentation weiblicher Lust in feministischen Zeitschriften in Deutschland und Frankreich oder die Entsorgungsplanungen hinsichtlich nuklearer Altlasten in der frühen Bundesrepublik. Und selbst für die Staatskanzlei (wahrscheinlich) eher ungewohnte Black Metal-Klänge ertönten zwischenzeitlich, wurde doch die Repräsentation des Holocausts in der Metal-Szene besprochen. Die gewohnt konstruktiv-kollegiale Atmosphäre der Diskussionen bot nicht nur den Referenten und Referentinnen Impulse für die weitere Arbeit an dem eigenen akademischen Meisterstück, der Dissertation. Im Besonderen die binationale Perspektive, welche die Debatten stets grundierte, bot die Möglichkeit das eigene Projekt aus bisher vielleicht unbekanntem Blickwinkel zu betrachten.  

Schmaus und Austausch 

Zwar war der fachliche Austausch selbstredend Hauptpunkt des Doktorandenseminars, doch bietet dies neben den Fachsektionen ebenfalls jedes Mal allerhand Möglichkeit zum persönlichen Austausch. Im Rahmen eines Workshops zu den Herausforderungen für Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen in der Zeitgeschichte in Deutschland und Frankreich, konnten die Doktoranden und Doktorandinnen, nach Projektenphasen gruppiert, niedrigschwellig eigene Erfahrungen besprechen sowie Best-Practice-Beispiele und die unterschiedlichen Wissenschaftssysteme diskutieren. Das kulturell-kulinarische Begleitprogramm bot die Möglichkeit, diese Gespräche zu vertiefen, die rheinhessische Küche (und lokalen Trank) kennenzulernen sowie im Rahmen einer Stadtführung die faszinierende deutsch-französische Historie der Landeshauptstadt zu erkunden.  

Die Deutsch-Französische Hochschule unterstützte die Tagung finanziell. Die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz bot nicht nur die Räumlichkeiten, sondern stellte auch das hauseigene freundliche und sehr engagierte Service-Personal zur Unterstützung des Caterings für die dreitägige Veranstaltung bereit. Beiden sei hiermit herzlichst gedankt.  

Tagungsbericht von Jahn Lukas Hermann